Zurück

Architecture Matters 2026
10 Years!

How to Connect to an uncertain Future?

15.–16. April 2026
House of Communication, München

Elizabeth Diller, Carlo Ratti, Reinier de Graf an einem Vormittag – allein die Keynotespeaker der diesjährigen Ausgabe von Architecture Matters zeigen das internationale Niveau der Veranstaltung. Im Fokus standen aber nicht die großen Namen, sondern die Inhalte und Haltungen der wohl einflussreichsten Architektin, des Direktors der Architekturbiennale Venedig 2025 und des Partners bei OMA und Buchautors.

Die Gesamtdramaturgie des Programms stellte die Vorträge in einen zunächst irritierenden Kontext zwischen Zerstörung und Aufbruch, Verzweiflung und Hoffnung. Denn am Vorabend begleiteten der Migrationsforscher Gerald Knaus und der österreichische Militäranalyst und Experte für den Ukraine-Krieg Franz-Stefan Gady das Candlelight-Dinner mit ihren schonungslosen Vorträgen und Gesprächen über Gewalt in Politik und Militär und die Missachtung internationaler Regeln. Als Begleitheft zur Konferenz erscheint seit drei Jahren eine Sonderausgabe der Bauwelt. Die diesjährige Ausgabe dokumentiert die Reise von Nadin Heinich gemeinsam mit dem Fotografen Heinrich Völkel/Ostkreuz entlang der Ostgrenze Europas von Narva in Estland bis nach Odessa im Süden der Ukraine – vom Kalten in den warmen Krieg. Im Dezember 2025 erlebten sie in Odessa am eigenen Leib einen der intensivsten Drohnenangriffe auf die Stadt.

Was hat die Bedrohung durch Krieg mit Stararchitektur zu tun und wie betrifft sie die Entwicklung unserer Städte, Quartiere und Gebäude? Die Fragestellung von Architecture Matters 2026 geht weit darüber hinaus. Das diesjährige Thema, das nach den Keynotes in einer Diskussionsrunde der Immobilienwirtschaft im Plenum und in anschließenden Focus Sessions mit unterschiedlichen Schwerpunkten in kleineren Workshops erarbeitet wurde, lautete: How to Connect to an Uncertain Future?

10 Jahre Architecture Matters

Architecture Matters! Was unter Architektenkollegen ganz selbstverständlich ist, steht bei den meisten Entscheidungsträgern unserer Gesellschaft nicht auf den vorderen Plätzen der Agenda. Die täglichen Nachrichten werden von anderen Themen dominiert: von Haushaltslöchern bei den Kommunen, zu wenig Engagement für den Wohnungsbau bei Investoren und Bundesländern bis hin zu den geopolitischen Krisen der Weltpolitik: Krieg um Freiheit, Ressourcen und Macht. Dass diese ganz großen Themen direkten Einfluss auf die Architektur ausüben und deren Rahmenbedingungen bestimmen, hat Nadine Heinich vor 10 Jahren in einem Veranstaltungsformat gebündelt, das bis heute einzigartig ist.  Architecture Matters bleibt ein Imperativ an Politik, Finanzwesen, Immobilienwirtschaft und nicht zuletzt an die Architektinnen und Architekten selbst.

Wandel der geopolitischen Rahmenbedingungen
Die erste Ausgabe fand in der ehemaligen Reaktorhalle in München hinter 70 cm dicken Betonwänden mit Bleiumantelung statt, die in den 1950er Jahren der Atomforschung diente. Junge Architektinnen aus Moskau stellten damals, in Zeiten der scheinbar freundschaftlichen Beziehung zwischen Russland und Deutschland ihre Arbeiten vor. Zahlreiche Reisen nach Moskau frischten die Kontakte der in Leipzig aufgewachsenen Kuratorin, die in der Schule russisch lernte, immer wieder auf. Der Blick über den bundesdeutschen Tellerrand nach Osten blieb Inspirationsquelle für die Vorträge und Diskussionen im Münchner Künstlerhaus oder der Alten Kongresshalle auf der Theresienwiese, wo das Werk von Galina Andrejewna Balaschowa vorgestellt wurde, die als Architektin jahrzehntelang die Innenarchitektur der Sojus-Raumkapseln sowie der Raumstation Sojus und Mir gestaltete. Russland sah Nadin Heinich lange als potenziellen Partner, als terra incognita, die es für die Architektinnen des Westens zu entdecken galt, wie zum Beispiel die untergegangen geheimen Raumfahrtstädte der ehemaligen Sowjetunion als Lost Spaces.

Das änderte sich 2024, als sie das Schicksal von Beirut ins Zentrum ihrer Konferenzveranstaltung rückte. Gemeinsam mit dem Kriegsfotografen Sergey Ponomarev bereiste sie die Stadt, führte zahlreiche Interviews und dokumentierte die Reise in einer Sonderausgabe der Bauwelt. Und nun vier Jahre nach Ausbruch des Ukraine Kriegs die existenzielle Bedrohung durch Russland, nicht nur der Ukraine, sondern ganz Europas durch nimmer neue Formen der hybriden Kriegsführung. Zusätzlich die Energiekrise durch den Irankrieg.

Nachbericht: Frank Kaltenbach
Fotos: Heinrich Völkel & Tanja Kernweiss