Die Focus Session umfasst mehrere parallele Roundtables mit Impulsvorträgen und Gesprächen im kleineren Kreis. Sie bietet Raum, ein Thema zu vertiefen und sich direkt auszutauschen: Wie begegnen Sie der Krise? Wie sieht das Bauen der Zukunft für Sie aus? Was erwarten Sie bzw. wünschen Sie sich von Ihrem Gegenüber?
Focus Session
01 Phase Zero. Regenerative Future Practices
02 Focus Finance. Wie investiert man angesichts einer unsicheren Zukunft?
03 KI. Jenseits des Hypes: Versprechen und Wirklichkeit der KI
04 The End of Monoculture. Offices for an Uncertain Future
05 Light Industrial. Die Rückkehr der Produktion
06 Female Focus

Unter der Leitung von Chrissie Muhr (Experimental Foundation) widmete sich die Focus Session den Herausforderungen und Chancen einer regenerativen Baupraxis. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Materialkreisläufe konsequent geschlossen und vorhandene Ressourcen stärker genutzt werden können.
Anhand von Beispielen aus der Ukraine wurde diskutiert, wie selbst kontaminierter Kriegsschutt künftig als Ressource für den Wiederaufbau genutzt werden kann. Gleichzeitig richtete sich der Blick auf Vorreiterländer wie Dänemark und die Schweiz, die beim Urban Mining und beim Aufbau von Materialdatenbanken bereits wichtige Erfahrungen gesammelt haben.
Die Teilnehmenden diskutierten, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um Wiederverwendung und Recycling im Bauwesen zum Standard zu machen. Themen waren unter anderem die Finanzierung zirkulärer Projekte, die Bewertung von Bestandsmaterialien, regulatorische Anreize sowie die Frage, wie Architektenwettbewerbe künftig gestaltet werden müssen, damit Wiederverwendung nicht länger ein optionales Extra bleibt, sondern integraler Bestandteil des Entwurfsprozesses wird.
Impuls und Diskussion u. a. mit:
Anna Pomazanna, Materia Lab
Mykhailo Shevchenko, Materia Lab
Christian Roth, Baukreisel
Ioan C. Brumer, Baukreisel
Leon Reichling, Commerz Real
Programm und Moderation: Chrissie Muhr, Experimental Foundation
Wie lassen sich Immobilienprojekte in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld finanzieren? Und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit, wenn Kapital knapp wird?
Gemeinsam mit Jürgen Fenk (DIH AG) und Dr. Florian Prechtl (Grant Thornton) diskutierten die Teilnehmenden über die aktuellen Herausforderungen der Immobilienfinanzierung. Bereits zu Beginn zeigte sich, wie unterschiedlich die Perspektiven innerhalb Europas sind. Begriffe wie Fremdkapital, Eigenkapital oder Finanzierungsstruktur werden in den einzelnen Märkten teils unterschiedlich verstanden. „Wir sprechen in jedem Land offensichtlich unterschiedliche Sprachen – trotz der gemeinsamen Sprache Englisch“, fasste Christian Meister die Diskussion treffend zusammen.
Einigkeit bestand hingegen bei einem zentralen Thema: Nachhaltigkeit bleibt ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Immobilien. Gleichzeitig wurde deutlich, dass wirtschaftlicher Druck viele Akteure vor schwierige Entscheidungen stellt. Denn bevor Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden können, muss ein Projekt überhaupt finanzierbar sein.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand daher die Frage, wie viel Nachhaltigkeit unter den aktuellen Marktbedingungen finanzierbar bleibt. Welche Auswirkungen haben regulatorische Anforderungen auf Investitionsentscheidungen? Wie verändert sich die Rolle der Banken? Und waren die bisherigen Nachhaltigkeitsziele möglicherweise ambitionierter als ihre praktische Umsetzbarkeit?
Die Diskussion machte deutlich, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit künftig noch stärker zusammengedacht werden müssen. Die Herausforderung besteht nicht darin, das eine gegen das andere auszuspielen, sondern tragfähige Modelle zu entwickeln, die beides ermöglichen.
Impuls und Diskussion u. a. mit Jürgen Fenk (DIH AG), Dr. Florian Prechtl (Grant Thornton)
Moderation: Nadin Heinich, plan A, und Christian Meister, Hines.
Künstliche Intelligenz hat die Digitalisierung als zentrales Zukunftsthema vieler Architekturbüros abgelöst. In der von Doelker& initiierten Focus Session diskutierten die Teilnehmenden über konkrete Anwendungen, Chancen und Herausforderungen von KI in Planung und Entwurf.
Marc Schmailzl (Technische Universität München) gab einen Überblick über aktuelle KI-Technologien – von Machine Learning und Large Language Models bis hin zu Bildgeneratoren und Deep-Research-Systemen. Dabei wurde deutlich, wie schnell sich die Werkzeuge entwickeln und wie selbstverständlich sie bereits in vielen Büros eingesetzt werden.
Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Frage nach technologischer Souveränität: Welche europäischen Alternativen gibt es zu den dominierenden US-Anbietern? Ebenso wurde über die Auswirkungen generativer KI auf kreative Berufe diskutiert. Können hochwertige Visualisierungen künftig mit wenigen Prompts erstellt werden, und wie verändert das die Arbeit spezialisierter Expertinnen und Experten?
Juristische Perspektiven brachte Sabine Richly (Digital Media Consultant) ein. Sie beleuchtete die bislang ungeklärten Fragen des Urheberrechts bei KI-generierten Inhalten und zeigte auf, welche rechtlichen Unsicherheiten Planende derzeit berücksichtigen müssen.
Impuls und Diskussion u. a. mit:
Marc Schmailzl, Research Associate TUM
Sabine Richly, Rechtsanwältin, Digital Media Consultant
Moderation: Arian Lehner, Architektur Aktuell
Programm: Martin Schnitzer, Hannes Dölker
Wie sieht die Zukunft des Büros in einer Zeit aus, in der klassische Bürostandorte zunehmend unter Druck geraten? In der Focus Session „The End of Monoculture. Offices for an Uncertain Future“ diskutierten die Teilnehmenden über neue Nutzungsmischungen, flexible Gebäudestrukturen und die Grenzen von Mixed Use.
Impulse lieferten Michael Bacherl vom Planungsreferat der Landeshauptstadt München, Chris Middleton von Kinzo, Stefan Schillinger von Accumulata sowie Tim Schmitt vom IPAI Innovation Park Artificial Intelligence. Anhand aktueller Projekte wie dem IPAI Campus in Heilbronn, der Umnutzung des Sony Centers in Berlin und dem Münchner Neubau The Stack wurde deutlich, wie unterschiedlich die Antworten auf eine ungewisse Zukunft des Arbeitens ausfallen können.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, ob Mixed Use tatsächlich ein wirksames Mittel gegen leblose Büromonokulturen ist. Bei aller Zustimmung zu gemischten Nutzungen wurde zugleich deutlich: Nicht jedes Bürogebäude eignet sich für eine Umnutzung, und nicht jede Flexibilität ist wirtschaftlich sinnvoll. Stefan Schillinger mahnte daher, jedes Projekt differenziert zu betrachten. Die vorsorgliche Planung späterer Wohnnutzungen durch zusätzliche Treppenhäuser oder Installationen könne bei Büroneubauten schnell unwirtschaftlich werden.
Die lebhafte Diskussion zeigte, wie groß der Gesprächsbedarf ist. Moderator Jan Friedrich brachte es auf den Punkt: Er habe kaum mehr tun müssen, als die zahlreichen Wortmeldungen zu verteilen.
Impuls und Diskussion u. a. mit:
Michael Bacherl, LH München
Chris Middleton, Kinzo
Stefan Schillinger, Accumulata
Tim Schmitt, IPAI Innovation Park Artificial Intelligence
Moderation: Jan Friedrich, Bauwelt
Die Rückkehr von Produktion in die Stadt stand im Mittelpunkt der Focus Session „Light Industrial“, moderiert von Thomas Sevcik (arthesia). Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage, wie Städte auf veränderte wirtschaftliche und geopolitische Rahmenbedingungen reagieren können. Lieferengpässe, Resilienz und kürzere Wertschöpfungsketten führen dazu, dass Produktion wieder näher an die Orte des Konsums rückt – und damit auch zurück in die Stadt.
Impulse lieferten Eva Herr von der Stadt Köln und Christoph Zapp von Pamera. Diskutiert wurde, wie sich dieser Paradigmenwechsel planerisch und gesellschaftlich gestalten lässt. Denn viele Kommunen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren vor allem auf den Wohnungsbau. Die Integration neuer Produktions- und Gewerbenutzungen erfordert nun ein Umdenken in Verwaltung, Planung und Stadtentwicklung.
Dabei wurde deutlich, dass der Begriff „Light Industrial“ weit über klassische Produktionsbetriebe hinausgeht. Er umfasst unter anderem urbane Produktionsstätten, technologieorientiertes Gewerbe, Forschungs- und Entwicklungsstandorte sowie Rechenzentren. Thomas Sevcik plädierte dafür, überkommene Vorstellungen zu hinterfragen: Rechenzentren seien längst nicht mehr zwangsläufig abgeschottete Infrastrukturbauten am Stadtrand, sondern könnten als integrierte Bestandteile urbaner Quartiere gedacht werden.
Als vielversprechender Ansatz wurde die Umnutzung leerstehender Bürogebäude für Light-Industrial-Nutzungen diskutiert. In Kombination mit Wohnen und Büroarbeit könnten so vielfältigere und lebendigere Quartiere entstehen – insbesondere in von Leerstand betroffenen Randlagen der Städte.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Konzepte vielerorts noch entwickelt werden muss. Das Beispiel Köln zeigte, dass neue Formen urbaner Produktion zwar an Bedeutung gewinnen, ihre Vorteile jedoch häufig noch nicht ausreichend vermittelt werden. Entsprechend groß war das Interesse, die Diskussion fortzuführen und gemeinsam weitere Strategien für die produktive Stadt der Zukunft zu entwickeln.
Impuls und Diskussion u. a. mit:
Eva Herr, Stadt Köln
Christoph Zapp, Pamera
Host und Moderation: Thomas Sevcik, arthesia
Regula Lüscher erzählte im Female Focus von Ihren sehr persönlichen Erfahrungen mit Macht als Stadtbaudirektorin in Berlin. Wie kann man seine Stärken als Frau nutzen, ohne den Habitus der Männer nachzuahmen oder gar übertreffen zu wollen? Die 17 weiblichen Teilnehmerinnen waren angesichts der zwei männlichen Teilnehmer in der Gruppe in der Überzahl und spiegelten ihre persönlichen Erlebnisse als Frau in Führungspositionen. Die Abschlussfrage von Regula Lüscher, was die Teilnehmenden nach dem Workshop ändern werden, stimmte die Coachin positiv: Alle nahmen sich vor konkrete Schritte zu unternehmen, um das Ungleichgewicht der Geschlechter und ihre persönliche Situation zu verbessern.
Programm und Moderation: Regula Lüscher, Die Stadtmacherin