States of Uncertainty
Zwei Perspektiven auf Unsicherheit – zwischen radikaler Freiheit und geopolitischen Machtverschiebungen
Begrüßung: Elisabeth Merk, Stadtbaurätin LH München
Dr. Klaus-Peter Potthast, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
Christian Meister, Hines
Mit:
Franz-Stefan Gady, Verteidigungsanalyst und Militärberater
Gerald Knaus, European Stability Initiative (ESI)
Die Unsicherheit und damit die Verunsicherung der Gesellschaft und damit auch der Immobilienwirtschaft war seit langem nicht mehr so hoch wie heute. Der Titel „How to Connect to an uncertain Future?“ trifft die Situation auf den Punkt, will aber auch Optimismus ausstrahlen und nach Lösungen suchen.
Wie kontinuierlich sich Architecture Matters in den vergangenen 10 Jahren zu einem sehr persönlichen Netzwerk unterschiedlichster Akteure entwickelt hat, brachten die Grußworte während der Opening Reception am Vorabend des Kongresses zum Ausdruck. Dr. Klaus-Peter Potthast bezeichnete sich selbst als Maskottchen der Veranstaltung, die er als Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie finanziell fördert und seit Jahren persönlich eröffnet. Er sieht Nadin Heinich als „Triebfeder dieser Unruhe“, die so wichtig ist, um eingefahrene Strukturen und Prozesse aufzubrechen und Innovation zu ermöglichen.


Stadtbaurätin Dr. Elisabeth Merk erinnerte sich an so manchen Diskurs vergangener Jahre, die meist harmonisch, aber auch mal sehr kontrovers ausgefallen sind. Bezog sie sich auf das Streitgespräch zwischen Patrick Schuhmacher von Zaha Hadid Architects und Jörn Walter, dem ehemaligen Oberbaudirektor von Hamburg, das damals in der gesamten Architektenszene für Furore sorgte? Architecture Matters sei ein Format, bei dem Verwaltung und Investoren freundschaftlich zusammenkommen könnten. Es sei wichtig, wenn man als Vertreterin der Stadt in Konfliktsituationen bei konkreten Bauprojekten die Gewissheit habe, dass letztlich alle ein übergeordnetes gemeinsames Interesse haben: Lebenswerte zukunftsorientierte Stadtquartiere.

Die Bestätigung folgte prompt von Christian Meister, Senior Managing Director Hines, der erklärte weshalb er sich so leidenschaftlich seit Jahren als Beirat und Sponsor bei Architecture Matters engagiere. Die Fragen der Stadtentwicklung seien so komplex geworden, dass sie nur unter Einbeziehung unterschiedlichster Standpunkte gelöst werden können. Die Veranstaltungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass, besonders in den Focus Sessions durch den direkten Diskurs, neue Denkansätze angeregt und der Funke für ganz konkrete Lösungen gezündet wurde. Schließlich ginge es ihm, auch wenn das vielleicht etwas pathetisch klinge, persönlich als Entwicklern nicht nur um Rendite, sondern darum Spuren im Sand der Geschichte zu hinterlassen.


Opening Reception: Input Lectures und Talk
Dass Politiker immer öfter die international anerkannten Regelwerke der Diplomatie, Demokratie und des Völkerrechts missachten, aber auch welchen Wert diese Regelwerke haben zeigte Gerald Knaus in seinem Vortrag über die Bedrohungen und Potenziale Europas.
Knaus ist Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI) und ein international bekannter Experte bei den Themen Flucht, Migration und Menschenrechte. Sein Bericht über den Friedensprozess in Bosnien hätte laut Madeleine Allbright die Außenpolitik der USA im Bosnienkrieg beeinflusst Auch bei den deutsch-türkischen Verhandlungen zur Flüchtlingskrise 2015 lieferte das ESI die Grundlagen. Der Vortag orientierte sich an seinem kürzlich erschienen Buch „Welches Europa brauchen wir?“ Wie verhindert man Krieg? Wir retten den Frieden! Wie dünn ist das Eis, auf dem wir in Sicherheit leben? In anderen Städten wie Kiew klingelt mehrmals täglich mit der Warnung Drohnenarlarm, bitte begeben Sie sich in Sicherheit. Der vergangene Winter hätte die Ukraine massiv getroffen, aber auch Trumps Drohungen gegen Kanada und Grönland hätten konkrete militärische Verteidigungsszenarien gegen die USA auf die Tagesordnung gebracht, die noch vor kurzem undenkbar waren. Nach einem Rückblick auf die Gründerväter der Europäischen Union, ihre Entwicklung und Ihre Osterweiterung als Erfolg, betonte er die Bedeutung einer künftigen Aufnahme der Ukraine in die EU als essentielle Motivation für den Widerstand der ukrainischen Gesellschaft. Schließlich sei eine Ostgrenze der EU östlich der Ukraine auch für den Westen eine Sicherheitsgarantie.


Wie unsicher der Alltag in der Ukraine für die Bevölkerung und die Soldaten aussieht, schilderte aus erster Hand der Militäranalyst Franz-Stefan Gady in seinem Videotalk mit Nadin Heinich. Gady bereist regelmäßig die Front und berät Regierungen und Streitkräfte. Wo früher Stadtmauern für Sicherheit sorgten patroullieren heute kleine Kommandos mit Drohnen und Drohnen-Abfangsystemen. Dass Roboter mit Hilfe von KI selbständig auf dem Schlachtfeld agieren sieht Gady jedoch noch nicht. In Westeuropa gelte noch immer die Übereinkunft, dass hinter jeder tödlichen Waffe ein Mensch als Entscheider stehen muss. Viele der militärischen Inhalte waren den Teilnehmern der Opening Reception aus den unzähligen Mediendokumentationen bekannt. Aber wohl keiner der Anwesenden hat diese Brutalität der Gewalt und Verunsicherung so hautnah aus erster Hand erzählt bekommen – und das beim Candlelight-Dinner an einer weiß gedeckten Tafel bei köstlichem vegetarischen Essen und ausgezeichneten Weinen. „ Ich hoffe der Abend hat auch Mut gemacht und Ihnen nicht angesichts der Schilderungen komplett den Appetit verschlagen“ verabschiedete Nadin Heinich Ihre Gäste nach der intensiven Fragesession.
